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Fotografische Selbstinszenierung - Dita Pepe



Bilder ihren historisch-kulturellen und ihren subjektiv-biografischen Kontext einzuordnen - das ist das Anliegen dieser Unterrichtseinheit.

Überblick über die UE:
  1. Übergang von der UE „Das Objekt vor der Kamera, das Subjekt am Drücker“ durch zwei Schülerarbeiten, in denen Männlichkeit inszeniert wurde.
  2. Geschlechterselbstinszenierungen auf Einzel- und Paarfotos: Fokus auf Mimik, Gestik und Körperhaltung. Werkbetrachtung von Daniela Comani und Werbefotos.
  3. Selbstinszenierungen in der Kunstgeschichte. Wie und auf welche Art und Weise stellen KünstlerInnen sich dar?5 Kreative Visualisierung zum Thema Identität/Biografie.
  4. „Wer bin ich, wer könnte ich noch sein…?“ Auseinandersetzungen mit den Arbeiten Dita Pepes
  5. Vertiefende Werkdiskussion über Dita Pepe und Start der fotopraktischen Selbstinszenierungen.
  6. Einführung in die Portraitfotografie (Beleuchtung, Schärfe, Ausdruck, Kopfhaltung, Blickwinkel)6, Fotopraktische Selbstinszenierungen. Zusätzlich wird es eine Lerntheke für SuS geben, die unsicher sind und die fotografische Selbstinszenierung nicht im Kurs sondern zuhause durchführen möchten. 
  7. Abschließende Werkbeurteilung Pepes vor dem Erfahrungshintergrund der eigenen Inszenierungspraxis.
  8. Übung des Verfahrens der Bildanalyse anhand eigener fotopraktischer Arbeiten.
  9. Präsentation der Arbeiten, Evaluation und Ausblick: weitere praktische Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen zum Thema Selbstinszenierung.

Zur Sache

Die vorgelegt Stundenplanung greift die durch den BDK und den Bildungsplan8 angeregte Verknüpfung der Wahrnehmung und Gestaltung individueller Lebenskultur (in diesem Fall die Inszenierung des eigenen Selbst) mit dem gesellschaftlichen Kontext (hier z.B. Jugendkulturen, Popstars oder Sportidole) auf.9 Im Fokus steht die Rezeption der Arbeit von Dita Pepe. Dita Pepe ist mit ihren künstlerischen Selbstinszenierungen, in denen sie verschiedene Identitäten annimmt, in dem Kontext (de)konstruktivistischer Selbstinszenierungen zu verorten. Diese hatten im Surrealismus (z.B. Marcel Duchamp und Claude Cahun) ihren Ursprung und erlebten in den 80er Jahren parallel zu den Konstruktivistischen Sozialwissenschaften eine neue Hochphase, die bis heute anhält (z.B. Cindy Sherman und Yasumasa Morimura).12 Die tschechische Künstlerin inszeniert sich in ihren Fotografien „Selbstportraits mit Frauen“ zusammen mit und in dem Lebensraum jener Frauen. Sie nimmt dabei deren Aussehen und Gewohnheiten an. Mit ihren Arbeiten macht sie
den Einfluss des sozialen Umfeldes auf Menschen deutlich und zeigt, dass Identität auch von Zufällen abhängt.13 Durch die Aneignung entsprechender Gestiken und Werthaltungen, die über Wohnumfeld, Kleidung und Styling vermittelt werden, weist sie auch auf die Prägung eines Individuums innerhalb seiner gesellschaftlichen Schicht hin.14 In all ihren Arbeiten steht die Konstruktion von Identität im Zentrum. Pepes Arbeiten wirken als Einzelbilder, immanent als Serie oder als Serie mit dem externen Wissen, dass sich die Künstlerin in jedem Foto selbst inszeniert:15 Betrachtet man Pepes Fotos als Einzelbilder, lässt sich zunächst nur die jeweilige Ähnlichkeit der beiden Personen in Kleidung, Habitus und Styling und ihre Korrespondenz mit dem abgebildeten Raum beobachten. Die Gesamtschau der Fotos in der Serie eröffnet den Blick auf die Parallelen zwischen den einzelnen Bildern und hebt diese damit als markante Merkmale hervor. Erst das werkimmanent nicht zu erschließende Wissen darum, dass sich die Künstlerin auf allen Arbeiten selbst abbildet, legt Peps Konzeptkern offen: Die Künstlerin begibt sich als Partnerin in Umgebung, Kleidung und Habitus verschiedener Personen, fühlt sich in diese ein und lichtet sich so selbst in unterschiedlich konstruierten Identitäten ab.


Zur Didaktik 
In dieser Stunde wird exemplarisch eine der Grundfragen heranwachsender Menschen thematisiert: „Wer bin ich?“ und „wer könnte ich sein?“. Entwicklungspsychologisch loten Menschen in der Phase der Jugend ihr Dasein zwischen Ich-Identität und Rollenkonfusion aus.Das alltägliche Ausprobieren von Rollen, ist für Jugendliche eine ästhetische Suchbewegung nach sich selbst und zugleich nach sozialer Zugehörigkeit und Anerkennung. Daraus ergibt sich der Situationsbezug für die Jugendlichen: Sie erproben durch Kleidung, Accessoirs und Make-Up Selbstkonzepte, gehen auf die Suche nach Akzeptanz in Peergroups und Jugendszenen und weiten kulturelle und normative Grenzen der Vorgenerationen. Dies gilt insbesondere auch für SuS dieses Kunstkurses, die sich untereinander deutlich abgrenzen und an Peers orientieren. Zudem werden Jugendliche mit äußeren Normen und inneren Idealbildern konfrontiert, zwischen denen und ihren persönlichen Bedürfnissen sie ihre Selbstkonzepte ausloten müssen. Dabei fungieren Kleidung, Accessoirs und Styling als kommunikative Codes, mittels derer sich Jugendliche zwischen Geschlechterrollen, Schichtzugehörigkeiten und ethnischen Identitäten positionieren. Diese Kategorien wiederum sind gesellschaftliche Platzanweiser, die z.B. mit über Status und ökonomische Teilhabe entscheiden. Die UE ermöglicht den SuS durch Rezeption der Arbeiten Pepes und das Rollenspiel in den fotografischen Selbstinszenierungen einen Perspektivwechsel, der sie anregen kann, sich für andere Lebensentwürfe zu öffnen, eigene Selbstkonzepte zu überdenken und emanzipatorische Antworten auf normative Vorstellungen zu finden. (Handlungsorientierung) Im aktuellen kunstdidaktischen Diskurs werden künstlerische Selbstinszenierungen als Werk und zugleich als Prozess betrachtet.22 Mit der Auflösung der Grenzziehung zwischen Kunst und Leben seit den Surrealisten ist auch die Kunstpädagogik gefragt, mehr zu leisten, als das Lehren von künstlerischen Fertigkeiten und Wissensinhalten.Lehre als ein künstlerischer Prozess verstanden, weist auf etwas hin, was im alltäglichen Leben zwar da ist, aber noch nicht reflektiert wird: In diesem Fall die Selbstinszenierung durch Kleidung, Accessoirs, Make-Up und Haare. Hinter der künstlerischen Strategie von Dita Pepe verbirgt sich ein ästhetischer Weltzugang. Diesen zu rezipieren und in fotopraktischen Arbeiten mit SuS auszuprobieren, kann zu „veränderten ästhetisch-praktischen Handlungs- und Inszenierungsformen, einschließlich ihrer gedanklichen Reflexion“ führen.

Methodisches
Ich unterrichte die SuS ab 11.25. In der Stunde vor der Lehrprobe werden die Kleidungsstücke und Accessoirs, die während der LP nur als Anregung vom Platz aus betrachtet werden können, zum Einsatz kommen, um die LP zeitlich und räumlich zu entlasten. 6 Einstieg: Die Präsentation zweier kontroverser, lebensnaher Zitate soll die SuS aktivieren und anregen25. Aus zeitlichen Gründen muss auf eine Positionierung zu den Aphorismen durch Bewegung im Raum verzichtet werden. Für Transparenz sorgen die Vorstellungen der Künstlerin und des Verlaufs26. Erarbeitung: Das Think-Pair-Share-Verfahren hat doppelte Funktion: Pädagogisch soll es sicherstellen, dass sich alle SuS in die Gruppenarbeit und damit in den Erarbeitungsprozess einbringen können, inhaltlich dient es dazu, die Struktur des künstlerischen Konzeptes schrittweise zu entfalten: Zunächst bearbeitet jedeR SoS eines der vier AB 1a-1: SuS benennen29 Aspekte der Personen- und Raumbeschreibung. Wie weit sie schon zu diesem Zeitpunkt darauf kommen, Beziehungen zwischen den Personen untereinander und zwischen Personen und Raum herzustellen, bleibt abzuwarten. Im nächsten Schritt kommen jeweils 4-5 SuS mit 4 verschiedenen Bildern zusammen. Die Gruppenzusammensetzung wurde vor der LP festgelegt, jede Kleingruppe ist leistungsheterogen zusammengesetzt. SuS stellen ihre Ergebnisse der Einzelarbeit vor, fassen Gemeinsamkeiten der vier Fotos zusammen und versuchen, die charakteristischen Merkmale der Serie eigenständig zu benennen30. In einer Sicherungsphase tragen die SuS ihre Ergebnisse vor. Diese werden an der Tafel gesichert und bieten Grundlagen für die Arbeitsaufträge der späteren künstlerischen Praxis. Vor Einspielung des Films31, in dem die Künstlerin selbst zu Wort kommt, erhalten die SuS Beobachtungsaufgaben. Nach Filmbetrachtung und Ergebnissicherung würde sich ein vertiefendes Gespräch über das Konzept Dita Pepes anbieten. Gerade für diese Lerngruppe gilt jedoch, dass eine gründlichere Werkdiskussion dann ertragreicher ist, wenn die SuS ihre Praxis-Erfahrungen mit einbeziehen können. Jedoch erhalten SuS die Gelegenheit, ihre Meinung zu den am Anfang der Stunde präsentierten Zitaten mit den Aussagen Pepes abzugleichen und zu überprüfen. Praxis: SuS sind nun darauf vorbereitet, den Entwurf einer Selbstinszenierung kreativ zu gestalten.32 Die bisher bearbeiteten Bilder sprechen, da nur weibliche Personen abgebildet sind, eher Mädchen an. Gerade für die Jungen werde ich Beispiele aus der künstlerischen Praxis eines anderen Kurses zeigen.33 Zudem werden die Requisiten, die in der Vorstunde zum Einsatz kamen, es den Jugendlichen erleichtern, sich einen Charakter für die Selbstinszenierung auszudenken. Die Vorstrukturierung auf dem AB 2 erleichtert die Konzeptentwicklung. Sie ergibt sich aus einer Reduktion der Strukturiertheit von Pepes Fotoserie. Für den Skizzenentwurf wird für unsichere SuS ein AB mit Hilfestellung angeboten. Die entworfene Skizze wird nicht nach zeichnerischen Gesichtspunkten bewertet! Zum Abschluss werden mindestens zwei SuS exemplarisch ihre Arbeiten präsentieren. Bei Bedarf können die anderen SuS Tipps für die weitere Umsetzung geben. Wenn am Ende der Lehrprobe noch Zeit bleibt, werden Pepes Ideen und die Zitate aus dem Film zur Diskussion gestellt.

Materialien

Schritt 1 (Vorlage für Tafelbild)
Aphorismen zum Thema
Wer bin ich, wer könnte ich noch sein…?
(Was ist Identität?)

KREUZE AN: WELCHE POSITION VERTRITTST DU?

1                                              2                                            3                                           4                                             5                                6

Ich bin, wie ich bin, weil ich sein will, wer ich bin.                                                                                                     Wer ich bin,  ist abhängig von Zufällen.

Das kann man auch - je nach Gruppen- und Raumgröße also Positioniereungsübung machen. Eine Seite vom Raum: Position 1, gegenüberlegende Seite Position 6. 
Die Schüler erklären dich dann dabei, weshalb sie wo stehen.

Schritt 2 - Wer ist Dita Pepe?
Bio

Schritt 3 - Drei Bilder Dita Peps werden vorgestellt

Schritt 4 - Stundenablauf vorstellen
Ablauf
  • Einzelarbeit: Ein Foto von Dita Pepe betrachten (verschiedene Fotos)
  • Gruppenarbeit: Vier Fotos kennenlernen.
  • Plenum: Künstlerisches Anliegen Pepes erarbeiten.
  • Praxisphase: Pepes Konzept selbst ausprobieren.
Schritt 4 - Aufgaben für die Gruppenarbeit


  1. Aufgaben für die Gruppenarbeit:  (Zeit: 10 Minuten)
  2. Schaut euch die vier Bilder an und vergleicht die Stichworte aus der Einzelarbeit.
  3. Arbeitet dann mit wenigen Worten Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die die Bilder aufweisen, heraus. Wenn ihr noch Zeit habt…
  4. Gibt es schon jetzt Vermutungen über die Aussageabsicht der Künstlerin?
Schritt 5 - Künstlerisches Anliegen Peps erarbeiten

  • SuS nennen und sammeln in Stillarbeit Aspekte zu Figuren und Raum und suchen erste Hinweise zum Konzept
  • SuS vergleichen die Stichworte aus der Einzelarbeit und fassen dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammen, die die 4 Bilder aufweisen.
  • SuS tragen Ergebnisse aus der GA zusammen und spekulieren über denkbare  Aussageabsichten der Künstlerin



Schritt 6 - Film ansehen

SuS sehen Film, äußern sich zu Pepes Konzept, tragen Zitate zusammen.


(https://www.youtube.com/watch?v=v3MVSl63mZQ)



Schritt 7 - Praxisphase: Pepes Konzept selbst ausprobieren
  • Zwischenschritt: Hier muss genau geklärt werden, wie Pepe mit den Personen in den Fotos umgeht und wer diese vermutlich sind: Pepe arbeitet fast dokumentarisch, nicht verletzend und stellt mehr Personen dar, die sie gut kennt oder die sie interviewt hat. Dicht an dem Konzept von Dita Pepe zu bleiben ist hier der Königsweg. Überspringt man diesen Schritt, finden die Schüler häufig nur Stereotype.
  • SuS entwerfen einen Charakter, in den sie sich in einer fotografischen Selbstinszenierung verwandeln möchten.
  • Als Beispiele können Ausschnitte aus Dita Peps Fotografien dienen
Materialien
Die Arbeitsbögen

Beispiele 



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