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Porträts mit Kohle und weißer Kreide - Betty Edwards lässt grüßen

  
 

Kurzübersicht
Auszüge und Materialien zu einer Lehrprobe: 
  • Theorie, Porttät, Methodisches, Stundenverlauf
  • Arbeitsbögen usw. unten auf der Seite


Die Theorie 

Nach Edwards ist das menschliche Gehirn in zwei Hälften aufgeteilt: Die linke Gehirnhälfte (L-Modus) ist in der Regel verbal, analytisch, rational, logisch, linear und auf das Verwenden von Symbolen ausgerichtet; die rechte Hälfte (R-Modus) dagegen orientiert sich an dem konkreten, realen, gegenwärtigen Augenblick und arbeitet nonverbal, synthetisch, nichtrational, intuitiv und ganzheitlich. Forschungen über die Funktionen der Hirnhemisphären bezüglich der visuellen Wahrnehmungen deuten darauf hin, dass die Fähigkeit zu zeichnen vermutlich davon abhängt, ob der oder die Zeichnende beim Zeichenprozess Zugang zum R-Modus hat, da die rechte Gehirnhälfte visuelle Informationen auf eine für das Zeichnen geeignete Weise wahrnimmt und verarbeitet, wogegen die Funktionsweise der linken Gehirnhälfte „einer differenzierten, realistischen Wiedergabe des Wahrgenommenen in Form einer Zeichnung möglicherweise zuwiderläuft“. 


Die didaktische Leitidee dieser Stunde ist, ein Portrait in seinen Proportionen und Schattierungen mit der Methode des Über-Kopf-Zeichnens zu zeichnen und nach Kriterien zu bewerten und zu verbessern, wobei nicht nur das Zeichnen, sondern auch die Methode selbst handlungsorientiert und aktiv entdeckt, erfahren sowie reflektiert werden soll. Die Zugänglichkeit zur Theorie der Methode ergibt sich dadurch, dass die SuS sie in einem konstruktivistischen Prozess selbsttätig handelnd erfahren und nicht lediglich passiv durch das Bearbeiten eines Textes nachvollziehen. Die Theorie kann somit anschaulicher und motivierender vermittelt werden. Eigen-ständiges Bewerten anderer Zeichnungen impliziert eine intensivere Beschäftigung mit den Kriterien. Auch das Anwenden der Methode selbst ermöglicht nachhaltigeres, tiefer gehendes Lernen. 

Das Thema Portrait ist nicht nur im derzeitigen, sondern auch im zukünftigen Leben der SuS von hoher Bedeu-tung. Die rechte Hirnhälfte ist auf das Erkennen menschlicher Gesichter und auf die feinen Unterschiede spezialisiert, die erkannt werden müssen, wenn eine Ähnlichkeit zwischen dem Modell und dem Portrait erreicht wer-den soll. Deshalb kann durch das Portraitzeichnen der Zugang zum intuitiven, kreativen R-Modus geöffnet werden, der im derzeitigen Schulsystem zugunsten des verbalen, analytischen Denkens (L-Modus) meist zurücktritt. Weiterhin kann durch das Zeichnen der Proportionen bei Portraits die Wahrnehmung von Größenverhältnissen gestärkt werden. Auch eignet sich das Thema, um das seit der Kindheit „festgefahrene“ Symbolsystem zu unterlaufen. Das Zeichnen von Portraits hat also zugleich eine exemplarische Bedeutung zur Schärfung der visuelle Wahrnehmung und der genaue Betrachtung. Das Geschick im Wahrnehmen von Proportionen ist insbesondere für SuS wichtig, deren späterer Beruf genaues Schätzen von Größenver-hältnissen erfordert: Zimmerleute, Zahnärzte, Schneider, Teppichverleger, Chirurgen u. a. 

Porträt und zeichnen

„Portrait“ bzw. „Porträt“ – nach dem lat. „portrahere“ (= hervorziehen) und dem frz. „portrait“ (=Bild[nis]) – ist der bedeutungsgleiche Begriff für das deutsche Wort „Bildnis“, womit die künstlerische Darstellung eines bestimmten Menschen gemeint ist. In der Kunstgeschichte ist und war eine der Hauptaufgaben des Portraits häufig, die abgebildete Person zu „vertreten“ und „ihr Andenken auch über den Tod hinaus zu erhalten“. Hierdurch kommt dem Portrait eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben innerhalb der Kunst zu (Krämer 1994, S. 1). Das realistische Portraitzeichnen gilt als Vorstufe der Portraitmalerei und der Abstraktion im Portrait und setzt genaue Kenntnisse und Fähigkeiten im Wahrnehmen und Darstellen von Randlinien, Raumformen, Grö-ßenverhältnissen, Licht und Schatten sowie der Gesamterscheinung des Modells – seines Charakter und seiner Persönlichkeit – voraus (vgl. Edwards 2007, S. 194). Insbesondere sind die Proportionen und die Plastizität zentrale Kriterien eines gelungenen naturalistischen Portraits. 
Eine plastische Wirkung wird beispielsweise erzielt, wenn als Bildgrund ein grau oder braun getöntes Papier für den mittleren Ton bzw. Grundton des Portraits verwendet wird, da es durch das Auftragen weißer Kreide mög-lich ist, Glanzlichter bzw. Höhungen zu setzen, die heller sind als der Grundton. Gezielt eingesetzte Glanzlichter in den Haaren, auf der Stirn, in den Augen, auf der Nasenspitze und der Oberlippe beispielsweise können eine räumliche Wirkung erzeugen. Durch verschieden starkes Aufdrücken können mit der flachen Seite eines Kohlestücks in einem Zug Flächen verschiedener Grauabstufungen erzeugt werden. Durch das Verwischen der Kohle mit den Fingern ist es möglich, innerhalb kürzerer Zeit weiche Übergänge zu erzeugen. 
Bei den Proportionen ist insbesondere zu beachten, dass bei einem En-face-Portrait der Abstand Augenhöhe – Kinn ungefähr dem Abstand Augenhöhe – Scheitel entspricht, dass also nicht die Nasenspitze auf der Mittellinie des Gesichts verläuft. Der Augenabstand beträgt etwa eine Augenbreite, die äußeren Ränder der Nasenflügel befinden sich gewöhnlich direkt unter den inneren Augenwinkeln und die Mundwinkel auf Höhe der Pupillen. Der obere Rand der Ohren liegt in der Regel nur sehr leicht oberhalb der Augenhöhe, das untere Ende der Ohr-läppchen etwa auf Höhe der Oberlippe. Die Struktur des Haars kann weiterhin naturalistischer durch verschieden dunkle Flächen statt durch einzelne „Haarlinien“ herausgearbeitet werden (vgl. ebd., S. 255 f.). Jedoch können diese Maße je nach Gesicht auch leicht variieren. Für Zeichenanfänger häufig jedoch schwer zu erkennen sind das Verhältnis der Augenhöhe zur Länge des ganzen Kopfes und der Sitz der Ohren. Dies sind Beispiele für Wahrnehmungsfehler, die durch die Neigung des Gehirns verursacht werden, visuelle Informationen so zu ver-ändern, dass sie besser zu seinen Vorstellungen passen (vgl. ebd., S. 197 f.). Nach Edwards seien Menschen entgegen der allgemeinen Ansicht nicht schwerer zu zeichnen als etwas anderes, obwohl „tief verwurzelte Symbolsysteme, die unsere klaren Wahrnehmungen stören, sich bei einigen Gegenständen stärker vordrängen als bei anderen“. Ein verbreitetes Symbol für das Auge besteht beispielsweise aus zwei gebogenen Linien mit einem Kreis als Iris dazwischen. Solche Symbole entwickeln sich bereits in der Kindheit und verfestigen sich, so dass häufig lediglich diese Symbole gezeichnet werden, die das „Sehen einfach außer Kraft zu setzen“ scheinen, weshalb nur wenige Menschen einen Kopf wirklichkeitsgetreu zeichnen können (ebd., S. 193). Das richtige Sehen der Informationen, die den Zeichnenden direkt vor Augen liegen, kann durch spezielle Methoden trainiert werden (s. u.). Die Methode des Über-Kopf-Zeichnens beispielsweise wird in dieser Unterrichtsstunde angewendet und auch thematisiert und wird somit selbst zum Inhalt (Sachanalyse). 

Methodisches

Arbeitsauftrag: zu zweit eine Portraitplastik von einer Vorlage abzuzeichnen. Um eine größere Vielfalt an Zeichnungen und somit Gesichtszügen und Licht-Schatten-Effekten zu erhalten, zeichnen die SuS von verschiedenen Vorlagen ab. Die SuS können sich ihre Vorlage frei aussuchen, um nicht ein Portrait zeichnen zu müssen, das ihnen nicht zusagt. Allerdings achte ich dezent darauf, dass leis-tungsschwächere SuS nicht zu komplizierte Portraits wählen. Beim Zeichnen werden die Materialien Kohle und Kreide verwendet, da sie sich besonders zum schnellen, spontanen Zeichnen und zum flächigen Schraffieren bei der Licht-Schatten-Darstellung eignen. Auf die Verwendung des Radiergummis wird verzichtet, um das genaue Hinsehen zu fördern und einen lockeren Strich bzw. das spontane „Herantasten“ an die endgültige Form zu för-dern, statt ein häufiges Wegradieren und das „verkrampfte“ Suchen nach der „einen“ richtigen Linie zuzulassen. Die Zeichnung wird in Partnerarbeit angefertigt – ggf. ergibt sich zusätzlich eine Dreiergruppe –, um ein gemeinschaftliches Erfolgserlebnis und einen kooperativen Prozess durch positive gegenseitige Abhängigkeit her-vorzurufen. Hierbei zeichnet jeweils eine/r über Kopf, wobei die Rollen während des Prozesses getauscht wer-den, so dass die SuS jeweils die von der Partnerin bzw. dem Partner gezeichneten Partien weiterzeichnen und sich somit in ihrer Strichtechnik aufeinander einlassen müssen. Das Zeichnen über Kopf habe ich in der Lerngruppe bereits einmal durchgeführt. Es wird hier erneut durchgeführt, da die SuS die Zeichenergebnisse als motivierend und die Methode als faszinierend empfanden und weil die Methode mehrmals durchgeführt werden sollte, um tiefer greifenden und langfristigen Erfolg zu zeigen. Die Methode des Zeichnens über Kopf werde ich jedoch im Folgenden gesondert didaktisch begründen. 
Die SuS sollen Proportionen und Lichter und Schatten bewusst sehen lernen. Damit sie diese nicht interpretieren, sondern wirklich sehen, empfiehlt es sich, die Vorlage auf den Kopf zu stellen, denn dann erscheint diese völlig anders – „sie ist nur noch ein Muster aus hellen und dunklen Flächen“. Wieder richtig herum betrachtet, scheint sich dieses „Hell-Dunkel-Muster“ zu verändern und „gewissermaßen in die dreidimensionale Form des Kopfes zurück[zu]weichen“ (Edwards 2007, S. 229). Auf dem Kopf stehenden, „falsch herum“ präsentierten Informationen (Proportionen, Licht-Schatten-Formen usw.) dagegen schenkt die linke Hirnhemisphäre fast keine Aufmerksamkeit, weil der L-Modus diese Formen nicht identifizieren und benennen kann, so dass die rechte Gehirnhälfte aktiviert wird und sich nonverbal ein ganzheitliches Bild der Muster und Strukturen macht. Die linke Gehirnhälfte würde im aktiven Zustand ein Auge als solches erkennen, benennen und dann registrieren, dass sie seit der Kindheit das Symbol „zwei Kreisbögen und ein Iris-Kreis darin“ gespeichert hat. Ein genaues Hinsehen und Erkunden der tatsächlichen leichten S-Form des unteren Augenlids usw. hält die linke Hälfte nicht für notwendig, solange ein Mensch im Zeichnen ungeübt ist. Das Aktivieren des R-Modus‘ dagegen bewirkt, dass die SuS nicht darüber nachdenken, dass sie gerade etwas so Schwieriges wie ein Portrait zeichnen, sondern zunächst lediglich ein „Wirrwarr“ aus undefinierten Formen sehen, deren Abzeichnen ein genaues Hinsehen erfordert: Die SuS stellen den genauen Winkel der Schatten im Mundwinkel fest oder bemerken die besondere Rundung im Auge. Zu einem späteren Zeitpunkt funktioniert dieses genaue Betrachten auch bei richtig herum präsentierten Abbildungen. Während die SuS, welche die Vorlage „über Kopf“ sehen, ihre Aufmerksamkeit auf die genauen Einzelformen der Schatten richten, können die jeweiligen Partner, welche die Vorlage richtig herum sehen, auf die Einhaltung der Proportionen im Gesamtbild achten. 

Ablauf




 Vorlagen für die Portäts

Tafel/Flipchart usw.


Tafel/Flipchart usw.

 Arbeitsbogen zu Betty Edwards

Arbeitsbogen zur Bearbeitung der Ergebnisse

Übersicht zur Arbeit

Spickzettel für Moderatoren



Danke Ingo